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"Jekyll & Hyde" aus dem hohen Norden in die heill´gen Hallen von Wien

von Thorsten C. Menzel & Kai Wehmhörner

Dieser Bericht ist erschienen in der BTR vom Dezember 2001.

Nach einer Spielzeit von 28 Monaten ist die Bremer Inszenierung des Broadway-Musicals "Jekyll & Hyde", ursprünglich als sit-down-Produktion entworfen (Kultur und Medientechnik "Lichtspektakel bei Jekyll & Hyde" von T. C. Menzel), in das Theater an der Wien umgezogen.

Im Zuge der immer größer werdenden multimedialen Konkurrenz verlangt das Publikum auch von Musicals eine größere Flexibilität. So nimmt die Bedeutung, eine Musicalproduktion nicht nur an einer Spielstätte zu spielen, sondern in verschiedenen (Theater-) Häusern aufführen zu können, zu. Betrachtet man die derzeitigen Musicalproduktionen, so stellt man fest, dass Musicals wie "Mozart", "Tanz der Vampire" oder "Schwejk", die in verschiedenen Spielstätten gezeigt werden, gerade dadurch ihre Popularität erhöhen. Doch gibt es immer noch einige Musicals, die von ihrer Konzeption her nicht dafür gedacht sind umzuziehen. So war es der Fall bei dem Bremer Erfolgsmusical "Jekyll & Hyde". Das Musical "Jekyll & Hyde" ist 1999 in Bremen neu produziert worden. Das damals entstandene Musicaltheater ist extra für diese Produktion gebaut worden. Man ging von einer mehrjährigen Spielzeit ohne Umbauten aus, das Bühnenbild wurde sehr robust gebaut und an vielen Stellen unzerteilbar miteinander verschweißt. Für den Ablauf der Show hatte diese Bauart erhebliche Vorteile, ein Umzug dieser Produktion erschien jedoch dadurch erst einmal unmöglich. Dennoch entschied sich das in dieser Hinsicht erfahrene Theater an der Wien das Musical nach Wien zu holen.

Die Änderungen am Bühnenbild wurden von Johannes Leiacker, der das Bühnenbild für Bremen entworfen hatte, betreut. Dietrich Hilsdorf, der Regisseur, inszenierte einige Bilder neu und Lightdesigner Hans Toelstede sorgte wieder einmal für atemberaubende Lichteffekte. Das Team, das schon in Bremen für eine erfolgreiche Inszenierung gesorgt hatte, war also wieder beisammen. Wie zu erwarten stellte der Umzug alle Beteiligten immer wieder vor große Herausforderungen. So arbeiteten alle unter enormem Zeitdruck, da für die Arbeiten (Abbau, Transport, Umrüsten und Aufbau) nur 2 Monate zur Verfügung standen, damit noch ausreichend Zeit für Proben und eine Anpassung der Inszenierung blieb.

Das Bühnenbild musste beim Abbau in Bremen in "handliche" Stücke gebracht werden, da am Theater an der Wien der Bühneneingang eher klein ist (2,4m x 2,6m) und die Einzelteile "transportfähig" sein mussten. So stellte sich die Suche nach den Schweißnähten am Bühnenbild als schwieriger dar als gedacht, außerdem folgten die großflächigen Dekorationsoberflächen in den Stößen nicht den Teilungen des darunter liegenden Stahlbaues. Die acht Bühnenwagen, die die Zuschauer mit ihren präzisen unter Höchstgeschwindigkeit erfolgenden Bewegungen in über 30 Bildern beeindruckten, mussten umgeändert werden, da das Theater an der Wien im Gegensatz zum Musicaltheater in Bremen keine Seitenbühnen hat, dafür aber über eine große Hinterbühne und Doppelstockpodien verfügt. Die schwerhändigen Bühnenwagensegmente aus Kastenprofilfachwerk wurden z. T. verschmälert, neu geteilt und klappbar ausgeführt oder mit Lenkrollenböcken auch in Richtung Bühnentiefe verfahrbar gemacht. Neben Neukonstruktionen ließ sich durch den Einsatz der in Wien sehr viel größeren Doppelstockpodien und der Obermaschinerie das Platzproblem für die Wagen geschickt lösen. Für alle anderen elektromotorischen und pneumatischen Komponenten der Inszenierungstechnik wurde von Wien für den gegebenen Maschinenbau, Aktorik und Sensorik eine neue Steuerung hergestellt.

Als besonders schwierig erwies sich der Umzug des "Leuchttunnels", der in Bremen einer der Höhepunkte des Stücks darstellte. In diesem Tunnel – einem liegendem Plexiglas-Trichter mit einer Portalöffnung von 13 mal 9 Meter und einer Tiefe von 17 Metern – sind über 1000 Leuchtfolien mit einer Gesamtlänge von 2,5 Kilometern angebracht. Um die Tiefe des Trichters optisch zu vergrößern, laufen die Leuchtfolien von einem Punkt ausgehend nach vorne an Wänden, Decke und Boden symmetrisch auseinander. Da die Leuchtfolien damals nicht steckbar installiert und in ca. 50 Verteilerdosen auf 60 DMX-Kreise verteilt fest angeschlossen wurden (schließlich dachte noch niemand an den Umzug), musste jede einzelne Leuchtfolie systematisch deinstalliert werden, um einen Wiederaufbau in Wien zu ermöglichen. (Ausführliche Informationen über die Erstinstallation können sie unter der Seite www.wasistLeuchtfolie.de abrufen.) Die Tatsache, dass sich die "Slimlight Lines" Leuchtfolie an jeder beliebigen Stelle der Länge nach schneiden und neu kontaktieren lässt, machte die Zerlegung des Plexiglastrichters in transportierbare Einheiten erst möglich, ohne die Folien komplett auszutauschen. Da die Folien erst nach dem Aufbau des Trichters aufgebracht wurden, musste außerdem beim Abbau mit äußerster Vorsicht vorgegangen werden, um die empfindlichen Folien nicht zu beschädigen. Um in Zukunft den Auf- und Abbau der Leuchtfolien komfortabler und mit weniger Risiko für das Material zu gestalten, wurden sämtliche Elemente neu verkabelt und dann über Multicorekabel steckbar miteinander verbunden.

Selbstverständlich erforderte dieser Umzug ein gut zusammenarbeitendes Team aus Technik, Beleuchtung und Logistik, das von Peter Bouchier (technischer Direktor der VBW) souverän und mit der nötigen Ruhe geleitet wurde. Der Abbau in Bremen wurde mit Hilfe der technischen Leitung in Bremen und unter der Leitung von Kai Wehmhörner, der schon beim Aufbau von "Jekyll & Hyde" dabei war, und mit Unterstützung zweier Techniker aus Wien Zdenek Homolka und Hermann Robatscher durchgeführt. Da der Umgang mit den Leuchtfolien besonderes technisches Know-How erfordert, wurde dieser Teil des Umzugs von Dipl.-Ing. (FH) Thorsten C. Menzel geplant und mit der Firma T.C.M. Light-Solutions durchgeführt. Die sonst noch für das Musical wichtige Beleuchtungstechnik wurde unter der Anleitung von Wolfgang Schünemann (ehemaliger Leiter der Beleuchtungsabteilung in Bremen, jetzt Geschäftsführer der Firma Laluz Beleuchtungstechnik) in Bremen abgebaut und später in Wien mit den schon beim Abbau aktiven Kollegen Kurt Schöny (Leiter der Beleuchtungsabteilung VBW) und Werner Zotter wieder aufgebaut.

Dieses Team sorgte dafür, dass die Premiere am 29. September im Theater an der Wien ausgiebig mit dem zufriedenen Publikum gefeiert werden konnte. Der Aufwand hat sich also gelohnt und auch ein zweiter Besuch dieses Musicals ist wirklich zu empfehlen.

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T.C.M. Light-Solutions   Dipl.-Ing. (FH) Thorsten C. Menzel
Westring 97   D-33818 Leopoldshöhe   phone:+49(0)5202-6767   fax:+49(0)5202-9255227 
Stand:    24. November 2014